Der Dritte steigt aus
Ingmar Bethke verlässt SPD-Fraktion

Märkische Allgemeine / Dahme-Kurier, 02.12.2011

KÖNIGS WUSTERHAUSEN In der SPD-Fraktion der Stadtversammlung Königs Wusterhausen kriselt es weiter. Nach Hannelore Gabriel und Oliver Kanthak ist jetzt auch Ingmar Bethke ausgetreten. Damit schrumpft das Gremium von zehn auf sieben Mitglieder.
Bethke begründet seinen Schritt damit, dass die Fraktion schon lange zu unkritisch die Arbeit der Stadtverwaltung verfolge und eine „Larifari-Stimmung“ vorherrsche. Man wolle lieber ein „harmonischer Haufen“ sein, sagte der Zernsdorfer auf Anfrage gegenüber MAZ. Außerdem ärgere ihn, dass sich manche die „Pöstchen“ zuschieben, weil sie finanziell von der Arbeit für die Partei abhängig sind. „Stadtverordneter zu sein ist für mich etwas Ehrenamtliches“, sagt Bethke. „Ich will etwas bewegen.“
Dass sein Austritt nur eine Retourkutsche ist, weil bei der Wahl zum Vorsitz der Fraktion nicht er, sondern Ludwig Scheetz gewählt wurde, weist Ingmar Bethke zurück. „Damit habe ich kein Problem. Es war ja eine demokratische Entscheidung.“ Ärgerlich sei aber gewesen, dass einige Mitglieder der Fraktion nicht ehrlich waren und vor der Wahl anders redeten als nachher.
Fraktionsvorsitzender Ludwig Scheetz bedauert, dass Ingmar Bethke die Fraktion verlassen hat. „Inhaltlich haben wir gut zusammengearbeitet“, sagt er. Die Wahl zum Fraktionsvorsitzenden sei ein ganz normaler demokratischer Vorgang gewesen. Die Annahme, er habe es nur des Geldes wegen gemacht, sei „eine absurde Konstruktion“, so Scheetz verärgert, Er versteht auch nicht, warum jemand so „leichtfertig die Fraktion verlasse“, obwohl er doch mit einem gewissen Anspruch für die SPD angetreten ist. „Es geht hier doch um die Sache und nicht um Befindlichkeiten“, sagt Bethke.
Bürgermeister Lutz Franzke vermutet, dass Bethke seineVorstellungen in der Fraktion nicht durchsetzen konnte und deshalb das Handtuch warf. „Schade“, meint er. „Bethke ist eine starke Persönlichkeit und ein kluger Mann.“
Bei den Linken, die mit neun Mitgliedern inzwischen die stärkste Fraktion sind, hält man sich mit einem Kommentar zum neuesten Austritt zurück. „Das soll die SPD mal unter sich ausmachen“, sagt Vorsitzende Anke Gerth. „Bei uns ist alles stabil.“ Bethke bleibt weiterhin Stadtverordneter. Der neuen Fraktion „Bürger für KW“, die von Hannelore Gabriel und Oliver Kanthak gebildet wurde, will er sich erst mal nicht anschließen. Den Vorsitz im Finanzausschuss wird er abgeben müssen, kündigt Ludwig Scheetz an. Die Fraktion entscheide, wer der Nachfolger wird.
Bürgermeister Lutz Franzke bleibt zuversichtlich, was das Regieren der Stadt Königs Wusterhausen betrifft: „Das Gestalten wirdd zwar nicht einfacher, aber am Ende liegt doch allen Stadtverordneten das Gemeinwohl am Herzen.“


Was reizt einen 25-Jährigen an Kommunalpolitik?

Montagsgespräch Ludwig Scheetz über die Fraktionsarbeit

Märkische Allgemeine vom 21.11.2011

Ludwig Scheetz ist einer der wenigen jungen Köpfe in der Kommunalpolitik und der Jüngste in einem Spitzenamt. Mit dem SPD-Fraktionschef im Stadtrat Königs Wusterhausen sprach Frank Pawlowski.

MAZ: Sie sind 25 Jahre alt, was reizt jemanden in diesem Alter an der Kommunalpolitik?

Ludwig Scheetz: Es macht mir Spaß, weil ich Einfluss nehmen kann auf das, was mich im Alltag direkt betrifft.

Ihnen wird nicht langweilig bei endlosen Sitzungen und fruchtlosen Debatten?

Scheetz: Es gibt sicherlich mal Diskussionen, die langatmig sind, aber zum Glück gibt es auch viele spannende Themen zu besprechen.

Die SPD-Fraktion in Königs Wusterhausen gab zuletzt kein gutes Bild ab. Zwei Mitglieder traten aus, die Vorsitzende schmiss hin. Kein leichtes Erbe für Sie.

Scheetz: Es gab Differenzen, aber inzwischen ist es wesentlich ruhiger geworden. Inhaltlich sind wir trotzdem gut aufgestellt. Die Ziele, die sich die Fraktion mit meiner Vorgängerin gesetzt haben, verfolgen wir weiter. Da gibt es keinen Kurswechsel.

Welche Ziele sind das?

Scheetz: Zum Beispiel die Frage, wie man Wohnen, Kultur und Gewerbe auf dem Funkerberg unter einen Hut bringt. Es geht außerdem um Königs Wusterhausen als Wohnstandort, wir brauchen mehr Mietwohnungen in der Stadt. Ein weiteres Thema ist die Zukunft des Neubaugebietes, dazu haben wir gerade eine Veranstaltung durchgeführt. Wir werden das auswerten und sehen, wo wir mit Anträgen aktiv werden müssen. Um den öffentlichen Nahverkehr müssen wir uns ebenfalls kümmern. Er muss anders organisiert werden. Wenn wir eine Stadt sind, muss die Erreichbarkeit gewährleistet sein – auch in den
Ortsteilen.

Sie wollen eine Stadtlinie durch alle Ortsteile?

Scheetz: Warum nicht. Das können wir als Stadt natürlich nicht alleine machen, aber darüber müssen wir mit der Busgesellschaft und mit dem Landkreis reden.

Sucht sich die SPD-Fraktion jetzt einen Koalitionspartner, um eine stabile Mehrheit für Anträge zu bekommen?

Scheetz: Eine Koalition wird es nicht geben, das ist auch nicht nötig. Wir haben ein gutes Verhältnis zur CDU und zur FDP, da stimmt auch menschlich die Chemie. Diese Zusammenarbeit werden wir vertiefen.

Mit den Linken ist das nicht möglich?

Scheetz: Ich kann mir eine so enge Zusammenarbeit mit den Linken nicht vorstellen, aber bei einzelnen Themen wird es das sicher geben. So war es bisher schon.

Händler der Innenstadt kritisieren die geplante Ansiedlung eines großen Einkaufszentrums in Zeesen. Die SPD ist für das Zentrum – und was macht sie für die Händler?

Scheetz: Wir wollen ein Innenstadtkonzept, das beiden Interessen gerecht wird – denen: der Händler und des Investors. Deshalb haben wir zum. Beispiel gesagt, dass es einen städtebaulichen Vertrag für die Errichtung eines solchen Zentrums geben muss, der unter anderem Festlegungen zum Sortiment enthält. So können wir als Stadt darauf Einfluss nehmen, dass es möglichst wenige Überschneidungen zum Angebot in der Innenstadt gibt. Ich bin zuversichtlich, dass wir eine akzeptable Lösung finden werden.

Im SPD-Ortsverein ist der Vorsitz vakant. Werden Sie diesen Posten auch noch übernehmen?

Scheetz: Nein, das wird zu viel für mich. Ich bin ja auch noch Mitglied im Kreistag. Es werden sich für den Ortsvereinsvorsitz ganz sicher andere Kandidaten finden. Dass diese beiden Funktionen unterschiedlich besetzt sind, finde ich ohnehin besser.


Scheetz neuer SPD-Fraktionschef
Wahl nach Rücktritt von Elke Voigt

Märkische Allgemeine / Dahme-Kurier von 24.10.2011

KÖNIGS WUSTERHAUSEN – Der 25-jährige Ludwig Scheetz ist neuer SPD-Fraktionschef im Königs-Wusterhausener Stadtrat. Er wurde am Freitag gewählt. Grund für die. Wahl war der Rücktritt von Fraktionschefin Elke Voigt (MAZ berichtete).
Scheetz kündigte an, die inhaltliche Arbeit in den Mittelpunkt der Fraktionsarbeit zu stellen: „Wir haben auf unserer Klausurtagung eine Reihe von Themen diskutiert, nun gilt es diese Ideen umzusetzen. Ich will als Vorsitzender meinen Teil zur inhaltlichen Profilierung der Fraktion beitragen“, sagte er. Weiterhin wolle er sich „um einen verstärkten Dialog“ mit den Bürgern kümmern: „Ziel unserer politischen Arbeit ist es, gute – Kommunalpolitik für die Menschen zu machen, um das auch tatsächlich gewährleisten zu können müssen wir mit den Bürgern stärker ins Gespräch kommen und die Anliegen ernst nehmen.“
Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Reinhard Wenzel gewählt, weiterhin im Vorstand ist der Zeesener Jürgen Förster, der das Amt des Kassierers übernimmt.
Elke Voigt hat auch den Vorsitz des SPD-Ortsvereins Königs Wusterhausen abgegeben. Ihre Stellvertreter Ludwig Scheetz und Georg Hanke übernehmen vorläufig die Führung. Ob es eine Neuwahl gibt, soll diese Woche entschieden werden.